Die mediterrane Küche ist gesund – das hat sich herumgesprochen. Durch das Wissen über kulturhistorische Hintergründe und die Zusammensetzung eines Gourmet-Menus lässt sich der gesundheitliche Nutzen dieser Ernährungsform noch steigern. Frankreich und Italien sind in dieser Hinsicht Vorreiter: Sie haben Universitäten des Guten Geschmacks gegründet, während Essen hierzulande primär naturwissenschaftlich betrachtet wird. Wenn Gesundheit mit Ernährung in Verbindung gebracht wird, dann eher durch Verbote und Diäten.
Wir Mediziner sollten uns dafür einsetzen, dass Genuss- und Geschmacksbildung zur Gesundheitserziehung schon bei Kindern gehört: Wer eine Vereinheitlichung seines Geschmacks durch süß-saure Schnellrestaurant-Gerichte erfährt, wird weder neugierig auf die ungeheure Nahrungsvielfalt noch auf gesundheitlich relevante Inhaltsstoffe. Nachdem Fettpunktezählen und Gewichtsreduktionskurse nichts an der Zunahme der Zivilisationskrankheiten (Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck) geändert haben, ist es an der Zeit, einen südländischen (mediterranen) Bewusstseinsstand bezüglich der Ernährung anzustreben. Dort wird bei Tisch in großzügigem zeitlichen Rahmen über die Beschaffenheit eines Menus gebührend kommuniziert, was ganz offensichtlich mit dazu beiträgt, lebensfreudiger und auch gesünder zu bleiben; medizinische Studien belegen inzwischen solche Jahrhunderte alte Zusammenhänge.
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