Die Provence - fast so alt wie die Menschheit

Die Provence hat eine weit zurück reichende Geschichte – lassen Sie sich doch einmal in die Vergangenheit versetzen!

Die Ursprünge provenzalischer Kultur

Zahlreiche prähistorische Stätten zeugen von der alten Kultur der Provence
Zahlreiche prähistorische Stätten zeugen von der alten Kultur der Provence: darunter die älteste bekannte Wohnhöhle Europas, die Grotte von Vallonet (ca. 950.000 v. Chr.), und die weltweit älteste bekannte Feuerstelle in der Grotte von Escale (ca. 600.000 v. Chr.). Es finden sich Spuren von den Neandertalern bis zu den Kelten. Eindrucksvoll sind die Megalithgräber aus der Jungsteinzeit (das größte ist der Dolmen Pierre de la Fée bei Draguignan) und die etwas jüngeren Menhire (in den Museen von Avignon und Nîmes). Vor allem auf dem Plateau de Vaucluse und im Luberon findet man die sogenannten Bories: fensterlose, steinerne Kuppelhäuschen aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.

Friedliche Kolonisten: die Griechen

Die griechische Epoche begann um 600 v. Chr. mit der Gründung von Massalia. Über Jahrhunderte blieb sie eine rein griechische Stadt. Die Griechen waren friedliche Händler, und vom guten Zusammenleben mit den ansässigen Keltoligurern zeugt der Name der Stadt: Das noch heute in der Provence gebräuchliche Wort für Haus, Mas, wurde mit dem keltischen Stammesnamen der Salier verschmolzen und lautet heute ... Marseille! Die Griechen brachten der Provence einen Großteil ihrer Kultur: neben vielen Siedlungen so wichtige Dinge wie das Alphabet, den Olivenbaum und den Rebstock!

Die römische Epoche

Im späten 2. Jhd. v. Chr. begann die Vorherrschaft der Römer. Im Jahr 122 v. Chr. gründete der Konsul Gaius Sextius Calvinus die Colonia Aquae Sextias – das heutige Aix. Kurz darauf wurde die Provincia Gallia Narbonensis eingerichtet, die Taufpatin der Provence. Die neue Provinz bildete eine Barriere gegen die „Barbaren“ aus dem Norden. Auf ihrem Zug nach Süden wurden die Cimbern und Teutonen südöstlich von Aix am Fuße eines Gebirgszugs vernichtend geschlagen. Noch heute heißt er, christlich verklärt, „Berg des Sieges“: Montagne Ste. Victoire. Teils durch militärische Eroberungen, teils durch kluge Politik gewannen die Römer immer mehr Macht: Es entstanden Militärkolonien, und im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Verwaltung durch Verleihung der römischen Bürgerrechte an einheimische Beamte abgesichert. Die Römer verdeutlichten ihre Macht durch viele prächtige Bauwerke: Triumphbögen (Orange), Tempel (Nîmes) und Amphitheater (Nîmes, Arles, Orange). Auch die Infrastruktur wurde in einer langen Friedensphase perfektioniert, es entstanden Aquädukte (Pont du Gard) und Straßen (Via Domitia). Die Landwirtschaft blühte. Die einstige keltische Kultur wurde nahezu vollständig überlagert.
Konstantin der Große machte Arles Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. zur Hauptstadt seines Reiches, was die Stellung der Stadt bis ins Mittelalter hinein festigte. Dennoch ging mit dem Verfall des römischen Reiches auch das Ende der römischen Provincia einher. Invasionen verschiedener Germanenstämme zogen über sie hinweg, und mit der Absetzung des letzten römischen Kaisers durch den Germanenfürsten Odoaker im Jahr 476 n. Chr. endete eine kulturell prägende Epoche.

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Das Christentum gewinnt an Einfluss

Bereits unter römischer Herrschaft war die Provence christianisiert. Mitte des 3. Jahrhunderts gab es einen Bischof von Arles, nachgewiesen ist für diese Zeit auch die Existenz christlicher Gemeinden in Narbonne, Marseille, Nizza, Apt, Orange und Vaison. Im Laufe des 5. Jahrhunderts lösten die entstehenden Klöster die Städte als Zentren der Kultur ab.

Das frühe Mittelalter

Obwohl die Errungenschaften der römischen Kultur weiter bestanden, fiel die Provence wirtschaftlich und politisch in eine Phase der Stagnation. Unter der rein nominellen Herrschaft der Franken (ab 536) übernahmen weitgehend unabhängige Patrizier die Verwaltung der Region, die sich zu einem quasi-autonomen Gebiet entwickelte. Am Ende des 8. Jahrhunderts wurde die Provence, deren Name von nun an nur noch ein geographischer Ausdruck war, in das Reich Karls des Großen integriert, und ab 1033 gehörte sie offiziell zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. De facto allerdings blieb die Provence ein unabhängiges Fürstentum fern der Zentralgewalt.

Das 12. Jahrhundert - Beginn der Blütezeit

Während des politisch unruhigen 11. und 12. Jahrhunderts erlebte die Provence kulturell eine äußerst fruchtbare Phase. Die Bevölkerung wuchs, Wirtschaft, Handel und Kultur blühten. Das Bürgertum erlangte neues Selbstbewusstsein, und die Kirche wurde ungemein reich. Noch heute zeugen die romanischen Kirchen, Kreuzgänge und Klöster vom damaligen Bauboom.

Auch die monastische Bewegung erstarkte, und die Provence wurde zur Etappe auf der berühmten Pilgerstraße nach Santiago de Compostela.

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Die französische Provence

Erst ab Ende des 15. Jahrhunderts gehörte die Provence offiziell zu Frankreich. Immer noch bewahrte sie sich dank einiger Sonderregelungen ein großes Maß an Eigenständigkeit. Der zentralistische Einfluss erstarkte dennoch, und bald wurde Französisch als Amtssprache eingeführt.

Auf die Zeit der Religionskriege folgten lange Jahre der Ruhe, in denen die Bevölkerung weiter wuchs, Handel und intellektuelles Leben aufblühten. Dabei entwickelten sich schon damals die entlegenen Gegenden der Haute Provence wesentlich langsamer als die bevorzugte Küstengegend. In den Städten entstand allmählich Industrie: Gerbereien, Töpfereien, die Herstellung von Tüchern und Stoffen, von Seife und Papier.

Aufklärung und Revolution

Nach dem Vordringen aufklärerischen Gedankenguts kam es 1789 auch in der Provence zu Aufständen infolge der verzweifelten Situation der Armen. Auslöser waren ein Absatzrückgang im Weinhandel und ein Frostwinter, der eine Missernte bei den Oliven verursachte.

Das 20. Jahrhundert

Vom Ersten Weltkrieg war die Provence nur indirekt betroffen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wurde sie vorübergehend zum Rückzugsort vieler Emigranten, unter ihnen Thomas Mann und Bertolt Brecht. Während des Vichy-Regimes wurden allerdings auch hier Internierungslager eingerichtet, und Marseille wurde zum Sammelbecken Verzweifelter, die sich eine letzte Fluchtmöglichkeit nach Übersee erhofften. Die Résistance hatte vor allem in den entlegenen Berggegenden Zulauf, und bis heute kann man hier zahlreiche Gedenktafeln entdecken.

Seit 1970 sind die Regionen der Provence in der Verwaltungseinheit Provence-Alpes-Côtes d’Azur zusammengefasst. Schon der Name sagt, dass hier so unterschiedliche Landschaften wie Mentalitäten vereint wurden. Nach wie vor besteht der größte Gegensatz zwischen den entlegenen Bergregionen und der lebendigen Küstengegend. Dabei leben mittlerweile 80 % der Bevölkerung in Städten. Während in der Haute Provence viele Landwirte nur noch mit dem Zubrot des Tourismus existieren können, ist die Küste vom allgemeinen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte geprägt. Traditionelle Industrien wie der Schiffsbau sind rückläufig, gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze in der Hochtechnologie oder im modernen Dienstleistungssektor. Die TGV-Verbindung zwischen Paris und Marseille verkürzt die Reisezeit auf 3 Stunden – was etliche Firmen aus der Ile de France in den billigeren Süden zieht. Hier genießen junge nicht-provenzalische Arbeitskräfte die bessere Lebensqualität, und das Ballungsgebiet Bouche-du-Rhône ist mittlerweile mit Schlafstädten überzogen, in denen man provenzalisches Flair oft vergeblich sucht...

Nach wie vor jedoch spielen Landwirtschaft und Tourismus eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und im kulturellen Leben der Provence. Lernen Sie die Gegensätze dieser unvergleichlichen Landschaften kennen!

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